Leadership

Wo man auch hinschaut überall erfolgreiche Corps, Pandemic Horde mit >12.000 Membern, Brave Newbies Inc.mit 9.000, KarmaFleet 5000, Dreddit 3500, GoonWaffe 2500… Sie sind quasi überall, es sollte doch ein leichtes sein, ebenfalls mit einer Corp erfolgreich zu sein. Wer so denkt fällt auf den Survivorship Bias herein, diese Corps fallen ins Auge weil sie erfolgreich sind. Die gescheiterten, inaktive, failcascadedeten Corps nicht, dafür gibt es kein Ranking, scheitern ist nicht sexy, das reicht maximal für nen Reddit Post. Und die große Mehrzahl an Corps stirbt schon auf den ersten paar Metern. Zu häufig ist die Zielgruppe nicht klar definiert, weil der CEO selber noch nicht lange genug spielt, um seine eigene Komfortzone gefunden zu haben und keine Spezialisierung auf einen Bereich hat. Also wird für jeden Bereich in EVE rekrutiert und am Ende wird die Corp niemandem gerecht und stirbt.

Dennoch kann man es versuchen, denn zum einen sagt die Corpgröße nichts über den Spielspaß der Member aus und zum anderen ist bei guter Planung alles möglich.

Ich möchte daher im Folgenden ein paar Techniken vorstellen, mit denen man Member gewinnt, bindet und effektiv für die Corp nutzt, ohne ihren Spielspaß zu beschneiden.

Reziprozität

Die Ältern erinnert sich vielleicht an noch an, die in rosa Gewänder gekleidete, Anhänger der Krishna Sekte, welche bevorzugt an Flug und Bahnhöfen Reisende beschenkt haben. Beschenkt heißt, sie haben den Reisenden eine kleine Blume oder einen Zettel mit Gedichten, mit den Worten “Nehmen sie, es ist ein Geschenk” im Terminal/auf dem Bahnsteig überreicht. Die meisten Reisenden nahmen an, auch wenn sie damit wenig anfangen konnten. Also haben sie die Blume oder den Zettel bei nächster Gelegenheit und mit ein klein wenig schlechtem Gewissen in einen Mülleimer entsorgt. An den Ausgängen der Flug/Bahnhöfe stand dann eine zweite Gruppe von Krishnas, diese haben um eine Spende gebeten. Nicht wenige der Reisenden haben dies tatsächlich getan, die Krishna Sekte war mit diesem Konzept sogar so erfolgreich, dass sie Ende der 1970er Hausverbot in den meisten Flug und Bahnhöfen erhielten.

Keine Angst, ihr sollte weder eine Sekte gründen, noch müssen eure Member rosa Kleidung tragen. Es genügt einem Anfänger der frisch in die Corp kommt, eine gefittete Venture oder Talwar in die Hand zu drücken, um seine Bindung an die Corp massiv zu erhöhen. Noch Jahre später (so der Spieler solange spielt), wird er/sie sich an die Corp mit “die haben mir mein erstes Schiff geschenkt” sehr positiv erinnern.

Das Geschenk erzeugt eine unterschwellige Schuld, welche der Mensch gern ausgleichen möchte und darum bei den kommenden Corp Events dabei ist. Wenn diese dann Spaß machen, kommt er/sie beiden nächsten Events ganz ohne Tricks.

Aus diesem Grund gibt es in Supermärkten übrigens auch gratis Produktproben, so fühlt sich der Kunde zum Kauf verpflichtet, natürlich nicht jeder Kunde, aber genug um das Konzept zu verwenden.

Kontrollillusion

Im Kasino werfen Menschen die Würfel für eine Hohe Zahl besonders kraftvoll und für eine Niedrige besonders leicht.
Was absolut keinen Einfluss auf das Ergebnis hat, aber den Spielern ein gewisses Maß an Kontrolle und damit Sicherheit suggeriert. Es macht daher Sinn seinen Membern Mechaniken anzubieten, welche ihnen die Kontrolle über etwas (Unwichtiges) gibt.

Anreizsensitivität

Seit 1862 war Vietnam (damals Indochina) französische Kolonie und die Verwaltung verabschiedete ein Gesetz, welches, um der Rattenplage Herr zu werden, für jede Tote Ratte eine Art Kopfgeld vorsah.Die Vietnamesen züchteten daraufhin Ratten. Als 1974 die Schriftrollen am Toten Meer gefunden wurden, setzten Archäologen Kopfgelder auf Schriftrollen und Fragmente von Schriftrollen aus. Was dazu führte das vollständig erhaltene Schriftrollen zerrissen und in möglichst vielen Einzelteilen verkauft wurden. Menschen reagieren auf Anreize, aber nicht zwingend so wie erwünscht, sondern im Sinn ihrer eigenen Interessen. Dies sollte bei der Planung von “Bonus Systemen” (z.B. Ore Buyback) innerhalb einer Corp beachtet werden.

Tragik der Allmende

Früher hatten viele Dörfer in Mitteleuropa eine Allmende, eine Weidefläche für alle Tiere des Dorfes. Dies hat über Jahrhunderte erfolgreich funktioniert, solange wie Bären, Wölfe und Krankheiten dafür sorgten, dass die Anzahl der Tiere in einem gewissen Rahmen blieb. Erst als Bären und Wölfe ausgerottet und immer mehr Tierkrankheiten behandelbar waren, ergab sich ein Problem. Jeder Bauer des Dorfes hat, wenn er ein weiteres Tier auf die Weide stellt einen Vorteil von +1, allerdings nur einen Bruchteil der Nachteile durch weniger Futter auf der Weide. Dies “und noch ein Tier” geht solange gut, bis die Allende kollabiert und kein Futter mehr vorhanden ist, weil das Gras nicht mehr nachwachsen kann.

Alles was Gemeinschaftseigentum ist, läuft Gefahr von den Mitgliedern der Gemeinschaft missbraucht zu werden. Ein Mond hat nur eine Menge x an Ertrag, jeder Pilot der mit einem weiteren Miner dort erscheint, erhöht seinen eigenen Anteil um +1, verringert so aber den Ertrag aller anderen. Solange das im Rahmen bleibt kein Problem, aber irgendwann werden einige wenige mit sehr vielen Chars den Unmut der Mehrheit auf sich ziehen und so die Corpgemeinschaft gefährden.

Es macht also Sinn einfach und klare Regeln für Gemeinschaftseigentum aufzustellen und diese durchzusetzen, um einen Missbrauch zu vermeiden.(z.B. Cherry Picking im Belt)

Oder man “privatisiert” das Ganze und einzelne Spieler “mieten” sich den Mond von der Gemeinschaft und ein Teil des Ertrages geht in die Corpkasse.

Auswahlparadox

Als Kind kannte ich 3 Sorten Joghurt, 3 Sorten Käse und exakt eine Art Telefon, den FeTAp der deutschen Bundespost. Heute sind wir bei 42 Sorten Joghurt, was weiß ich wievielen Sorten Käse, von den Möglichkeiten an Telefonen ganz zu schweigen. Ähnlich geht es neuen Spielern in EVE, die stehen vor dem Regal mit Möglichkeiten, wissen sie wollen Joghurt ähh PVE machen und sind dann von all den Möglichkeiten in EVE ganz erschlagen. Oft so erschlagen, dass sie sich umdrehen, gehen und was anderes spielen.

Hier hilft es ihnen “Fettarmer Joghurt 1,5 % natur” anzubieten. Eben den PVE den die Corp macht bzw. auch die Expertise der Corp liegt. Level 4 Missionen, Incursions, 0.0 Ratting… Hauptsache der Spieler findet dadurch einen Einstieg. Pfirsich und Mangostücke kann man später noch hinzufügen. 😉

Liking Bias

Joe Girard ist mit mehr als 13.000 verkauften Autos der weltweit erfolgreichste Autoverkäufer, sein Geheimnis: “Nichts funktioniert besser, als den Kunden glauben machen, dass man ihn wirklich mag.”
Menschen kooperieren eher mit Menschen welche äußerlich attraktiv und/oder ihnen ähnlich im Bezug auf Herkunft, Persönlichkeit und Interessen sind, sie sind ihnen sympathisch. Dieses Wissen kann man gleich an mehreren Stellen in einer Corp anwenden. Wenn man Neulinge nach dem Vorgespräch mit dem Ausbilder zusammen steckt, welcher etwa gleich alt ist oder die selbe Musik/Spielweise/Fahrzeugmarke wie der Neuling mag, ist hier eine Sympathie Basis geschaffen, welche sich leicht von der Person auf die Corp übertragen lässt.
Fleet Commander haben oft das Problem das sie unterhaltsam, fachlich kompetent und sympathisch sein müssen. Das findet man selten, es kann also Sinn machen, einen sehr sympathischen und unterhaltesamen, aber fachlich weniger kompetenten FC, als Logic FC, einem unsympathischen, aber fachlich hochkompetenten Vollarsch als Main FC zu Seite zu stellen, um die Attraktivität der Flotten zu erhöhen.